Schwätz keinen Babb!

Dieser Tage hat mich eine Freundin ziemlich überrascht. Wir sind nicht eben zimperlich im Umgang. Wir machen uns auch mal lustig übereinander. Wir frotzeln und foppen uns. Ich sage, dass sie nicht ganz knusper ist. Sie nennt mich Quasselstrippe. Ich sage: „Du bist doch dumm wie Brot.“ Sie sagt zu meinen differenzierten Überlegungen: „Ja, Ja, Ja.“ Als sie mir jetzt aber mit einer solchen Überzeugung vor die Füße knallte: „Du blickst es ja echt nicht!“ – da musste ich schon ein bisschen schlucken.

Aber man soll auch nichts in sich hineinfressen. Was raus muss, muss raus. Klar und deutlich. Klartext. Tacheles. Unbequeme Wahrheiten gehören auf den Tisch. Tatsachen müssen ans Licht. Denn ehrlich währt immer noch am längsten. Deshalb pflegte mein Großvater auch bei jeder Gelegenheit zu sagen: „Schwätz keinen Babb!“ Während ein früherer Bekannter seine Frau nicht etwa Schatz oder Mäuschen nannte, sondern immer nur ‚mein politischer Blindgänger‘.

Als eine Frau dieser Tage ihre Busfahrkarte nicht mehr fand, brüllte ihr Mann quer über die Bushaltestelle: „Du bist doch eine dumme Kuh!“ Damit auch wirklich jeder wusste, wo der Hammer hängt. Und der Bartel den Most holt.

Da kann man schon neidisch werden auf die Asiaten. Asiaten sind wegen der Lehren des Konfuzius angeblich besonders respektvoll und zurückhaltend im zwischenmenschlichen Umgang. Sie beleidigen sich nicht. Sie sagen grundsätzlich Ja, wenn sie Nein meinen. Und sie lächeln immer freundlich. Als eine Bekannte mal eine Reise durch Korea machte, hielt der Busfahrer immer wieder an, stellte sich vor die Reisenden und verbeugte sich tief. Zum Dank. Als hier ein Busfahrer dagegen ein paar freundliche Worte mit einer Dame wechselte, rief sofort jemand von hinten: „Nicht quatschen. Fahren!“

Fragt ein Deutscher einen Asiaten, ob es in dieser Richtung tatsächlich zum Bahnhof geht. Antwortet der Asiate milde lächelnd: „Ja.“

Es ist nicht bekannt, ob der Deutsche jemals an irgendeinem Bahnhof angekommen ist. Als ich aber dieser Tage mit jener Freundin, die mich für nicht ganz knusper hält, aber selbst dumm wie Brot ist, im Auto mitfuhr, wusste sie nicht, wo sie hinmuss. Sie zeterte fürchterlich und fragte mich schließlich verärgert: „Hier lang, oder was?“ Ich wusste es zwar genauso wenig, lächelte aber milde wie ein Asiatin und sagte weise „Konfuzius würde sagen: Ja“.

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