Wangen nachts glatt streichen

Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem man Gesichtsgymnastik machen sollte. Die Nase rümpfen und wieder aufblähen wie ein Hase. Die Oberlippe über die Unterlippe ziehen. Den Mundschließmuskeln an- und entspannen. Und mit breit gezogenen Lippen ganz schnell „Mamamama“ sagen. Wenn man die insgesamt 32 Übungen mehrmals am Tag wiederholt, bleibt man dauerhaft schön.

Dabei habe ich ein an sich schon straffes Schönheits- und Gesundheitsprogramm. Beim Sitzen die Po-Muskeln anspannen. Regelmäßig auf den Zehenspitzen laufen. Beine gebeugt halten, damit die Bänder nicht ausleiern. Anti-Cellulitis-Bürstenpeeling, Lymphen aktivieren und Fußreflexzonenmassage. Außerdem versuche ich nachts, die Wangen immer wieder glatt zu streichen – damit die Haut nicht zu Falten zusammengeschoben wird.

Man kann schon einiges gegen das Alter tun. Zum Beispiel werden Frauen, die sich mit Grapefruit-Aroma besprühen, von Männern durchschnittlich sechs Jahre jünger geschätzt. Mit dem richtigen Facial Treatment kann man die Durchblutung außerdem so ankurbeln, dass man sechs Jahre jünger wirkt. Mit entsprechend gestylten Augenbrauen gewinnt man weitere drei Jahre. Schmeichelnde Locken: fünf Jahre. Pferdeschwanz: drei Jahre. Wenn ich dann noch die Falten im Gesicht kräftig mit Faltenfiller-Creme ausspachtele, bin ich bald wieder minderjährig.

In New York ist es derzeit modern, sich sogenannte Geisha-Facials ins Gesicht zu schmieren. Das ist der Vogeldreck der Nachtigall, der mit Wasser vom Mount Fuji vermischt wird und 130 Euro kostet. Manche Ärzte spritzen einem angeblich auch besonders effektive Eiweißbomben unter die Haut: Sperma.

Da klemme ich mir doch lieber einen Kuli zwischen Oberlippe und Nase. Blase mehrmals am Tag die Backen auf und versuche mit der Zunge ans Kinn zu kommen. Damit die Mundwinkel nicht noch weiter runterrutschen, habe ich mir auch angewöhnt, immer sanft zu lächeln. Wobei eine Freundin kürzlich fragte, warum ich immer so dümmlich grinsen würde.

Dabei sieht sie überhaupt nicht mehr richtig. Neulich war sie wegen eines Hautflecks bei einer Gesichtschirurgin. Die Ärztin war richtig erschüttert. „Sie können ja gar nicht mehr aus den Augen schauen“, meint sie. Dann nahm sie eine Pinzette, riss der Freundin die Schlupflider hoch und sagte ungerührt: „1100 Euro für beide.“

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